BEHANDLUNG

Soziales Umfeld

Szenario:

Zu Beginn der Depression reagiert die Familie noch "wohlwollend genervt". Nach den anfänglichen hilfsbereiten und mitfühlenden Fragen und Kommentaren ändert sich dann aber langsam der Ton und das Verständnis schwindet. Die Familie empfindet den Kranken mit seinen Sorgen und Ängsten - die den Angehörigen ja grundlos erscheinen - zunehmend als lästig. Sein Pessimismus erscheint unangebracht.

Er beginnt von der Sinnlosigkeit des Lebens zu sprechen oder äußert sogar Sehnsucht nach dem Tod. Vom Familienleben zieht er sich immer mehr zurück, verbringt die Tage im Bett und will überhaupt nicht mehr aufstehen. Alte Kontakte zu Freunden werden abgebrochen, er beginnt sich zu isolieren. Nach und nach macht sich bei den Angehörigen und den Freunden eine gereizte Hilflosigkeit breit, der Depressive erscheint als Belastung.

Eine Analyse:

Die Familie kann das Problem des Kranken nicht lösen. Eine Depression ist eine schwere Erkrankung, die nicht mit Wohlwollen oder Geduld, sondern mit der Therapie durch Fachleute behandelt werden muß. Oftmals verspürt die Familie eine Verpflichtung, sich den Problemen ihrer Mitglieder zu widmen. So wird die Familie in Mitleidenschaft gezogen. Beide Parteien suchen (vergeblich) nach den Ursachen und einer Lösung. Die Familie erwartet nach so viel "zusätzlicher Nähe, Wärme, Geduld etc. eine rasche Besserung und baut Erwartungen auf, die der Depressive nicht erfüllen kann. Sein Elend wächst dadurch um so mehr, er fühlt sich unzulänglich.

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